Hundeerziehung damals und heute (Teil 1)

Ich hatte gestern wieder eine hitzige Diskussion um die Erziehung unserer Hunde.

Wie war das damals vor 25 oder 30 Jahren, oder gar vor 40? Viele rühmen sich ja, ich bilde seit 30 Jahren Hunde aus, und damals hat das alles geklappt und diese neuen Methoden sind doch nur "Kasperletheater".

Hat es denn wirklich geklappt? War der starke Leinenruck, der Tritt, das Würge- oder gar Stachelhalsband wirklich nötig? Waren die Hunde dadurch nicht nur sehr eingeschüchtert und machten nur was sie sollten um weiteren Strafen auszuweichen? Hatten die Hunde Spaß an der Arbeit und hatten wir Menschen Spaß daran?

Heute sieht man vermehrt Frauen auf den Hundeplätzen, damals vor über 25 Jahren war es eher eine Männer Domäne. Damals verband man den Hundeplatz mit lauten Kasernenton. Heute hört man es Clickern, loben und lachen und sieht fröhliche, nette und sozialisierte Hunde!

Als ich vor rund 20 (!) Jahren mit dem Hundesport anfing, herrschte auch noch ein strenger Kasernenton. Im ersten Hundeverein, den ich damals mit meinem jungen Dobermann besuchte, teilte mir der dortige Ausbilder mit, einen Dobermann könne man nur mit einem Stachelhalsband erziehen, ansonsten sei das nicht möglich. Dieses Vereinsgelände verlies ich nach nur 15 Minuten, auch mit meinen damals 19 Jahren war mir klar das möchte ich nicht.

Beim Hundeverein Nummer 2 stand ein älterer Herr um die 60 Jahre (Vorstand und Ausbildungswart – der mich doch ein bisschen an die Kultfigur Horst Schlämmer von Hape Kerkeling im Nachhinein erinnert), wir nennen diesen Ausbilder heute einfach mal Anton Schmidt.

Herr Schmidt war mir erstmals sehr unsympathisch, bei mir dachte ich, oh je, jetzt kommt gleich wieder das Stachelhalsband zur Sprache und dann warum ein junges Ding wie ich einen Dobermann habe, und wie verantwortungslos das denn sei… Aber ich irrte mich.

Herr Schmidt kam auf mich zu und lächelte mich an, streichelte meinen Dobermann und meinte ich solle einfach mal mitkommen. Auf dem Hundeplatz angekommen erklärte mir Herr Schmidt wie man mit einem Hund richtig spielt, ja richtig gelesen, er zeigte mir wie ich mit meinem Hund richtige spielte und wie ich durch spielen und Motivation meinen Hund an mich binde.

Ja, auch Herr Schmidt hatte ab und an etwas von einem Vorgesetzten bei der Bundeswehr, gerade in der Ausbildung im Begleithundekurs, strebte er einen harten Ton an und schrie auch schon mal so manchen Hundeführer an, so blieben aus einer Anfangs 18 Mann starken Gruppe am Prüfungstag nur noch 5 (!) Hundeführer. Ich fragte Herrn Schmidt irgendwann mal, warum er das so mache? Seine Antwort lautet, "die Menschen die nicht bereit sind mit Ihren Hunden zu agieren oder eine Bindung einzugehen, die Menschen die einfach nur hier sind um ein Prestige Objekt Hund zu haben um im Schutzhundesport zulaufen, die Menschen die Ihre Hunde nicht als Partner egal ob in der Familie oder im Sport zu sehen, die haben auf einem Hundeplatz nichts verloren, die Menschen die sofort aufgeben wenn es mal schwieriger wird die haben in meinen Augen keinen Hund verdient!"

Diese Worte prägten mein Tun in der Hundeerziehung, auch wenn ich nicht mit Kasernenton arbeite kommt mir das doch heute noch ab und an bei bestimmten Klientel unter.

Ich danke Herrn Schmidt für die lehrreichen Jahre, die ich bei ihm lernen durfte. Leider ist Herr Schmidt schon vor einigen Jahren verstorben, eine Ära im Hundesport ging zu Ende damals.

Jeder kennt von uns das Bild: Ein Hund wird von seinem Besitzer am Nackenfell gepackt und geschüttelt. In einigen gängigen Ratgebern über Hunde wurde das nicht nur als Strafe, sondern als eine Erziehungsmaßnahme vorgeschlagen.

Das Wissen, dass der Hund durch das Packen und Schütteln des Nackenfells Todesängste bekommt und eine Mutter ihren Welpen nie im Nacken packen würde, um sie zu strafen, sondern um sie von A nach B zu transportieren, gab es damals noch nicht.

Die Leinenführigkeit wurde in einigen Ratgebern mit sehr unschönen brachialen Methoden beschrieben:

Man solle doch eine lange Schnur am Halsband befestigen oder eine praktische Abroll-Leine mit Stopp verwenden. Der junge Hund soll im Spiel wild umherspringen und an der Leine zerren, bis die „Stoppwirkung“ eintritt. Hat sich der Hund dann überschlagen bzw. merkt er deutlich schmerzhaft einen Leinenruck lernt dieser sehr schnell auf das Haltesignal seines Halters zu achten…

Stachel- und Würgehalsbänder waren in den 80er Jahren vollkommen normal. In vielen Büchern von damals findet man Bilder mit Hunden die diese tragen.

Schlagen von Hunden

Viele Ratgeber, gaben damals den Tipp nie mit der Hand zuzuschlagen, da die Hand des Menschen für Futter, Streicheleinheiten und Lob dienen sollte. Es wurde empfohlen einen Stock oder eine zusammengerollte Zeitung zur Bestrafung zu verwenden. Es war immer wieder von einem „stärkeren Klapps“ die Rede nie von Schlägen. *arg*

Und dann gab und es da noch die Dominanztheorie!

Wir kennen alle den Ausdruck auf manchen Hundewiesen: Mein Hund ist ein Alphatier, er ist total dominant, ich kann mit diesem Hund in keine Hundeschule, noch ihn mit anderen Hunden spielen lassen.

Zum Glück kann die heutige Dominanztheorie wissenschaftlich belegt werden.

Dominanz bezeichnet eine Eigenschaft von Beziehungen und nicht von Individuen. Das Wort Dominanz beschreibt lediglich das Verhältnis zweier Lebewesen zueinander, nicht aber Wesen oder Charakter eines einzelnen Tieres. Dominanz ergibt sich aus dem Umgang zweier Individuen miteinander, nicht im Umgang mit einer Gruppe.

Dominanz ist nicht angeboren, sie entwickelt sich bestimmten Tieren gegenüber – oder eben auch nicht. Jeder Hund kann sich demnach Dominant verhalten und tut dies auch wenn das Gegenüber dies zulässt.

Fortsetzung folgt!

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